Zwischen Pomündung und der Lagune von Venedig liegt eines der Fischereizentren der Oberen Adria. Woher kommt der Fisch? Woher die Muscheln? Wie wird gefischt und wie lange noch? Kann man die Meeresfrüchte überhaupt noch essen? Diese und andere Fragen stehen im Vordergrund, wenn ab 5 Uhr morgens die verschiedenen Stationen fischereilicher Aktivitäten gespannt verfolgt werden. Fischmarkt und Auktion, Fischer beim Einlaufen, eine Muschelzucht und die vielen kleinen handwerklichen Fischersleute mit langer Tradition vor dem Hintergrund zunehmender Überfischung und Verschmutzung der Meere.
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Blick auf die Fischerei - größter Fischmarkt Italiens |
| Illegale Muschelfischer machen mit Speedbooten der Polizei eine lange Nase |
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Miesmuschelzucht in der Lagune von Venedig - ein Tauchgang |
Das Fernsehteam des BR fing einige Impressionen und Marktszenen ein und für den NDR Hörfunk wurden Interviews mit den Händlern geführt. Das reiche Meer ernährt hier noch viele Menschen und vor allem sichert die Fischerei Tausende von Arbeitsplätzen. Die Ressource Meer wird zumindest in Ansätzen von den meisten als unbedingt schützenswert angesehen.
Ein Anruf bei der Hafenkommandatur bringt Klärung: in Chioggia gibt es etwa 80 bis 100 solcher Boote, ohne Registrierung, dafür mit schußbereiten Waffen. In Gruppen fischen die Männer vornehmlich nachts, in den verbotenen Zonen, auch um das hochverseuchte Lagunengebiet bei Mestre-Marghera.
Einerseits erwachsen aus dem illegalen Fischen nach Muscheln Probleme für die Umwelt, andererseits werden die Muscheln dann an den behördlichen Hygienekontrollen vorbei auf den Markt gebracht. Vergiftungen und gesundheitliche Beeinträchtigungen können somit nicht ausgeschlossen werden. Insgesamt rechnen die Behörden mit etwa 400 Schnellbooten, deren Besatzungen mit verschiedenen Fangtechniken, taucherisch oder mit selbstgebauten Dredgen, in der Lagune ihr Unwesen treiben.
Die Behörden sind nahezu machtlos: ihre Boote sind zu langsam und die Gangs liefern sich im Schutz der Dunkelheit öfter Schußwechsel - untereinander und mit der Polizei. Ein Grund, warum die Anfrage nach einer möglichen Begleitung bei einer Kontrollfahrt in der Lagune von den Behörden abgelehnt wird.
Das Wasser ist sehr trübe, als wir kurz vor zehn Uhr die ersten Muschelgärten erreichen. Die Pächter sind gerade dabei, die Muscheln umzusetzen. Die zu engen Netze werden in Stücke geschnitten und in neue größere umgepackt. Die neuen prall gefüllten Netze werden dann wieder ausgebracht und noch ein halbes Jahr hängen gelassen. Um den günstigeren Gezeitenstrom abzuwarten, wenden wir und den flachen Seegrasbereichen zwischen den ausgebaggerten Fahrrinnen zu. Die ersten Eindrücke durch die Tauchmaske sind erstaunlich. Lichtdurchflutet präsentiert sich eine saftiggrüne Zostera-Wiese. Auf den Blättern hocken unzählige Wanderaktinien und das Wasser wird von glitzernden Sauerstoffbläschen durchzogen, die von den Pflanen aufsteigen. Das erwartete, von Vorurteilen geprägte Bild einer sterbenden Lagune wurde hier nicht erfüllt.
Dann, nach weiteren zwei Stunden, der Tauchgang in den Muschelfeldern. Kaum im Wasser umgibt uns eine grüne fahle Helligkeit. Die Strömung ist recht stark, an Videoaufnahmen scheint nicht zu denken zu sein. Doch an den ersten Stützpfählen angekommen, offenbart sich und eine bunte Formenvielfalt, die es mit einem Korallengarten aufnehmen könnte. Die Pfähle wie auch die Muschelpakete sind bewachsen von Schwämmen, Seescheidenkolonien, Seeanemonen und Röhrenwürmern. Tausende von Schlangensternen und Gespensterkrebschen recken ihre Arme in die Strömung um die zahlreichen Partikel auszufiltern. Die Lagune bietet reiche Nahrung für Suspensionsfresser.
Der Boden unter den Muschelzuchten in etwa fünf Metern Wassertiefe ist übersät mit Miesmuschelschalen zwischen denen sich große Schnecken, Schlangensterne und Jakobsmuscheln ihren Platz suchen. Der Boden ist schlammig, aber ohne Anzeichen von Sauerstoffarmut oder gar Fäulnis. Zumindest zur Zeit scheint es in diesen Bereichen der Lagune ganz gut um den Zustand der Umwelt bestellt zu sein.
Daß in der Nähe des Industriestandortes Mestre-Marghera massive Verseuchungen des Lagunenbodens bestehen, wurde vor einigen Jahren offiziell bestätigt und wird im "Unkraut"-Beitrag näher beleuchtet werden. Nun soll in einem aufwendigen Verfahren die Lagune saniert werden und es bleibt zu hoffen, daß weitere Einleitungen endlich vermindert und schließlich ganz eingestellt werden.
Überfahrt von Chioggia nach Caorle - Caorle als traditioneller Urlaubsort der Deutschen - Abschließende Medienarbeit für Radio und Fernsehen