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Überfahrt Cesenatico - Chioggia, 4. Juni 1998

Unter Motor verläßt die "Bella Laura" unter Kapitän Norman Montanari den Hafenkanal von Cesenatico. Die weiteste Etappe der Reise liegt vor uns. Vorbei an den Stränden von Cervia und Milano Marittima verliert sich die Sichtverbindung zum Festland. Dunst umhüllt die Methanplattformen, die vor Ravenna zahlreich die Route säumen. Das Wasser ist wie in den Vortagen von kleinen Flöckchen durchsetzt, dem "Marine Snow". Dies sind die Reste einer zusammenbrechenden Algenpopulation nach einer Blüte. Die sich zersetzenden Zellen aggregieren und schweben bei der derzeit ruhigen See im Wasserkörper. Eine erste mikroskopische Sichtung ergibt keine eindeutigen Anhaltspunkte. Es sind nur noch wenige Zellen erkennbar.

Beim BR-Fernsehteam ist redaktionelle Arbeit angesagt. Das bisher gedrehte Material wird gesichtet und die Interviews in die Szenen eingepaßt. Hilfe bei der Übersetzung und in fachlichen Fragen leisten die Sommerservice-Biologen an Bord. Die Themen Erosion, Kläranlagen und Muschelfischerei sind bereits bearbeitet und auch die Arbeit des DAPHNE-Institutes findet Eingang in den Beitrag.

Sendetermine und Beiträge in den Medien

Beim Mittagessen springt der Kameramann plötzlich auf. Die Arbeit ruft: die Süßwasserfahne des Po ist soeben durchfahren worden. Der Kapitän dreht bei, um uns einen genaueren Blick auf die scharfe Grenze zwischen den beiden Wasserkörpern zu ermöglichen. Neben Ästen, Blättern und etwas Plastikmüll schiebt die Dichtefront einen bis zu einem Meter breiten, orangefarbenen Streifen vor sich her. Erneut versammeln sich alle um das Mikroskop, das dank seiner lichtstarken Optik hervorragend geeignet ist, um auch ohne künstliche Beleuchtung die feinen Partikel bestimmen zu können. Typisch für die Jahreszeit hat sich hier eine Blüte der sogenannten Leuchtalge Noctiluca miliaris ausgebildet, die wie in breiten Pfützen von Karottensaft im offenen Meer flottiert. Bei der ruhigen See halten sich die Einzeller an der Oberfläche auf und erreichen hohe Konzentrationen bis zu vielen hunderttausend Zellen pro Liter.

Trotz intensiver aber eher scherzhafter Suche seitens der Journalisten wurde im Wasser vor dem Po-Delta kein schwimmender Kühlschrank und auch sonst wenig Zivilisationsmüll festgestellt. Das trübe Bild vom zweitgrößten Fluß im Mittelmeer wurde zumindest bei der heutigen Durchquerung nicht bestätigt.

Kurz nach 19 Uhr fährt das ADAC-Infoschiff 1998 in die Lagune von Venedig ein und hat nach wenigen Meilen den Hafen von Chioggia erreicht.

Morgen, 05.06.98:
Chioggia
Blick auf die Fischerei - größter Fischmarkt Italiens
Illegale Muschelfischer machen mit Speedbooten der Polizei eine lange Nase
Miesmuschelzucht in der Lagune von Venedig - ein Tauchgang


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