Die Tour begann Mitte Juni auf der toskanischen Insel Elba. Täglich stand ein Thema im Vordergrund. Dem wissenschaftlich-technischen Koordinator Christian Lott standen dabei für die einzelnen Fahrtabschnitte Peter Rey, Institutsleiter von HYDRA Konstanz und die Regionalbearbeiter des ADAC-Sommerservice Andreas Spohr für Italien, Beat Gasser für Frankreich und Djore Kasimir für Spanien zur Seite. Wolf Wichmann, HYDRA-Geologe, wurde als weitere Unterstützung nach Marseille eingeflogen. Themen, die für das gesamte Mittelmeer interessant und wichtig sind, standen bei Wahl der Inhalte im Vordergrund: Ölverschmutzung, Müll, Abwasser, Verbauung. Auch die vordergründig rein biologischen Themen wie die Bedrohung der Seegraswiesen, die Ausbreitung der sogenannten "Killeralge" Caulerpa taxifolia oder das Auftreten von Quallen wurden den Journalisten an augenfälligen Beispielen dargestellt und zusammen mit örtlichen Informanten vertieft. Darüber hinaus standen an Bord über Internet alle regulären Sommerservice-Informationen zur Verfügung.
Los ging es auf Elba mit dem Thema Nationalpark Toskanischer Archipel. Hier besteht seit Monaten eine große Unsicherheit bei Umweltschützern, Tourismusfunktionären, Urlaubern und der einheimischen Bevölkerung darüber, was die Unterschutzstellung einer ganzen Inselgruppe für den Bereich Tourismus Wassersport Naturschutz bedeutet.
Von dort ging es direkt nach La Spezia, dem Ballungsgebiet im äußersten Süden der ligurischen Küste. Die spezifischen Probleme einer alten Hafenstadt, v.a. im Bezug auf Abwasserentsorgung, Müll und Ölverschmutzung, wurden mit dem örtlichen Leiter des Umwelthygieneamtes, dem technischen Bürgermeister und zwei Vertretern der Umweltorganisation Legambiente diskutiert und anhand der lokalen Situation erläutert.
Im krassen Gegensatz hierzu stand die Fahrt entlang der Cinque Terre, einer Reihe von winzigen Küstendörfern, die sich in die schroffen Felsen dieser schwer zugänglichen Gegend klammern. Umweltverträglichere Tourismuskonzepte und die Einrichtung eines Meeresschutzgebietes waren die Themen, abgerundet durch einen Besuch von Riomaggiore und einem Tauchgang auf den schützenswerten Seegraswiesen unter fachkundiger Begleitung von Dr. Andrea Peirano, einem der besten Kenner der italienischen Unterwasserwelt.
Erneuter Szenenwechsel bei Genua: Der 1991 untergegangene Tanker "Haven" bot den Anlaß, sich genauer mit dem Thema Ölverschmutzung und seinen Folgen zu beschäftigen. Darüber, daß vom Tankerwrack heute keine besondere ökologische Gefährdung mehr ausgeht, sind sich die meisten Experten einig. In viel größerem Maße gibt allerdings der Sachverhalt Anlaß zur Sorge, daß Unfälle für nur etwa 10 Prozent der gesamten Ölverschmutzung verantwortlich sind. Über 90 Prozent an Rohöl und Ölprodukten gelangen durch den ganz normalen Betrieb bei Transport, Verladung und Verarbeitung ins Meer.
Entlang der Blumenriviera, die allerdings in Nachtfahrt bewältigt wurde, gelangte das ADAC-Infoschiff nach Monaco. Wie die Reichen und Schönen es mit Abwasser, Müll und Meeresverschmutzung halten, war nur ein Thema. Das Ozeanographische Museum und Aquarium von Monaco ist eine der ältesten und berühmtesten Meeresbiologischen Einrichtungen weltweit. Erstaunt mußten die Wissenschaftler und Medienvertreter jedoch feststellen, daß in den Auslagen des Museumsshops große Mengen tropischer Schnecken und Korallen verkauft werden, zum Teil geschützte Arten. Noch ein anderer Grund führte hierher: seit 1984 breitet sich die tropische Grünalge Caulerpa taxifolia, von Monacos ausgehend, an den Küsten Südfrankreichs und Italiens aus und bedeckt weite Flächen einheimischer Tier- und Pflanzengemeinschaften. Die ökologische Gefahr, die manche Forscher in der Ausbreitung der Alge sehen, brachte ihr im journalistischen Bereich den Beinamen "Killeralge" ein. Forscher der Universität Nizza und am Institut in Monaco wurden zu ihrer bekanntermaßen gegensätzlichen Meinung befragt und die Wissenschaftler an Bord konnten mit den Experten einen Inspektionstauchgang an einem der ältesten Bestände von Caulerpa-taxifolia durchführen.
Nächste Station, Port-Cros. Nationalpark seit 1963. Eine Insel vor Hyères bei Toulon. Die Biologen des ADAC-Sommerservice sind überwältigt von der Vielfalt der Fischfauna und dem außergewöhnlichen Zustand der übrigen Unterwasserwelt, nachdem sie den Unterwasserlehrpfad des Parks erkundet haben. Fazit: Es lohnt sich, die Natur in Schutzzonen sich selbst zu überlassen.
Toulon als größten Atomhafen im Mittelmeer lassen wir rechts liegen und fahren ein in den alten Hafen von Marseille. Die Medienvertreter recherchieren auf eigene Faust im bunten Gemisch aus Metropole, uraltem Hafen, Kulturschmelze und Verkehrsknotenpunkt.
Port-Camargue ist das nächste Etappenziel. Größter Jachthafen Europas, Trabantenstadt-Atmosphäre auf venezianischem Grundriß. Hier steigen die Fernsehkollegen zu, um ihre Beiträge zu drehen.
Ein Landteam mit Jan Kerkhoff als Redakteur und einem spanischen Kameramann und ein Schiffsteam mit Dr. Dieter Lehner, Regisseur Peter Wetzel, Kameramann Wolfgang Seif , Kameraassistent Matthias und Cutter Gerhard Reum produzieren sechs Tage lang fast rund um die Uhr. Moderator und Redaktionsgruppenleiter Hartmut Stumpf faßt die Themen in einen Rahmen und leitet durch die Sendung, vom fahrenden Schiff, vor einem Badestrand, auf einem wellenumtosten Felsen von der Hafenmole. Drehorte werden gesucht, lokale Interviewpartner und interessante Perspektiven für eine Bilanz zum Rahmenthema Umwelt - Natur und Tourismus im Mittelmeer. Darüber hinaus werden die bislang auf der Tour des ADAC-Infoschiffs behandelten Themen und die bisherigen Ergebnisse gemeinsam ausgewertet und in andere Beiträge eingebaut. Vieles kann erst im letzten Augenblick organisiert werden: Kommt der bestellte Helikopter, und wann wohin? Liegt das Schiff dann so, daß man schnell die Segel setzen kann? Sind die Interviewpartner, die gestern abend einfach nicht mehr einzubauen sind, eventuell auch am Sonntagmorgen noch einmal bereit? Und: wie wird das Wetter?
Nach durchgetexteter Nacht steht am Freitagmorgen die Sendung. Sendefertig. Die Fernsehcrew geht mittags von Bord, ab zum Flughafen, das Band im Gepäck. Abends am selben Tag wird um 21h35 gesendet.