Gewässerentwicklung

 

Gewässerentwicklung

Das Hochwasserschutzprojekt Samedan (Engadin, Graubünden)

HYDRA an Planung, Umsetzung und Erfolgskontrolle beteiligt

Schon lange war die Abflusskapazität des Inn nicht mehr ausreichend, um den Ort Samedan bei St. Moritz im Oberengadin vor großen Hochwasserereignissen zu schützen. Bei der letzten großen Flussumlegung in der Schweiz vor 80 Jahren war Hochwasserschutz noch gleich bedeutend mit Kanalisierung und ökologischer Entwertung. Nun gingen die Gemeinde Samedan und der Kanton Graubünden neue Wege. Im Rahmen des „Hochwasserschutzprojekts Samedan“ wurde der Flaz, der an den Gletschern des Berninamassivs entspringt und bisher in einem harten Korsett dem Inn zufloss, weg vom Ort auf die andere Talseite verlegt, um fast 3 km verlängert und naturnah gestaltet. HYDRA war für die ökologische Beratung des Projekts verantwortlich, erarbeitete Entwicklungsziele und die Gestaltungsvorschläge für die Planung, unterstützte die baubegleitenden Maßnahmen und führte das Monitoringprogramm zur biologischen Neubesiedlung der Gewässer durch.

Foto: © M. Michel

Vorstellung des Projekts in WEL 9/2007 1,24 MB

Ihre Akzeptanz und ihren Erfolg verdankt diese rund 29 Mio. CHF teuere Maßnahme einer einmaligen Zusammenarbeit von Gemeinde, kantonalen Ämtern, Naturschutzverbänden und beratenden Ökologen. In einer Ökologischen Planungskommission wird seit 2001 über die Zukunft des gesamten Gewässersystems entschieden.

 

 

 

 

Ausgezeichnet - Schweizer Gewässerpreis für das "Flazprojekt"

Für ihr ökologisch vorbildliches Hochwasserschutzkonzept ging der Schweizer Gewässerpreis 2005 an die Gemeinde Samedan, den Kanton Graubünden und die vielen Planer und Helfer des Projekts. Wasser-Energie-Luft widmete dem Ereignis einen Sonderdruck.

 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

in Fluss wird eingeweiht

Am 5. Juni 2004 war es soweit: der „Neue Flaz“ wurde mit einem großen Volksfest eingeweiht. Noch prägten nackte Kies- und Steinufer das Bild, eine typische natürliche Vegetation wird sich, unterstützt durch Pflanzungen, erst in den nächsten Jahren entfalten. Über die Sohle jedoch ergießen sich die Wassermassen aus dem Berninatal schon jetzt mit wieder gewonnener Kraft und der Dynamik eines typischen Gebirgsflusses (akt. Abflusskurve des Flaz (Berninabachs)).

Der neue Fluss und alle anderen Verbesserungen im Gewässersystem werden der nächsten Generation, den Kindern von Samedan, zum Geschenk gemacht. Diese haben sich ihrerseits mit Geschenken an den Fluss bedankt.

 

Foto: © HYDRA

 

 


Einmalige Chance für die angewandte Forschung

Das Hochwasserschutzprojekt Samedan ist im gesamten Alpenraum ein Pilotprojekt für die neuen Ansätze ökologisch orientierter Gewässerentwicklung. Die neu geschaffenen Strukturen und die aufzulockernden alten Kanalführungen sind auch als Objekt eines großräumigen Feldversuches zu sehen: Wie wird das neue Flussbett besiedelt? Wie verändern Hochwasser und Trockenperioden die Strukturen und die Lebensgemeinschaften im Wasser und an den Ufern? Wie vernetzen sich alte und neu geschaffene Lebensräume? Geht die Rechung eines ökologisch verträglichen Hochwasserschutzes auf?

An dem nun beginnenden Monitoringprogramm beteiligen sich daher auch die bedeutendsten nationalen Koordinationsstellen und Forschungseinrichtungen der Schweiz: das Bundesamt für Wasser und Geologie (BWG), das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL), die Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie (VAW), die Eidgenössische Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (EAWAG). HYDRA führt die ökologische Erfolgskontrolle durch und beobachtet die Wiedervernetzung und Neubesiedlung der Gewässer. Daneben wird die Entwicklung der „Äschenpopulation von nationaler Bedeutung“ verfolgt, der höchstgelegenen und zugleich eine der individuenstärksten Populationen dieser Fischart in Europa.

 

 

 

 

 

 

 

  Foto: © HYDRA

 


Wassertage Samedan

www.wassertage.ch


Die kälteste Gemeinde der Schweiz

Ihre exponierte Tallage auf rund 1700 m Meereshöhe und die Fallwinde aus den Gletschergebieten des über 4000 m hohen Berninamassivs machen Samedan und die Nachbargemeinde Bever im Winter zu den kältesten Ortschaften der gesamten Schweiz. Mit mittleren Temperaturen von minus 10,2 Grad im Januar und 11.4 Grad im Juli zeigt die Ebene von Samedan auch eine der grössten Winter-Sommer-Differenzen. Extrem tiefe Wintertemperaturen – bis zu 6 Grad tiefer als im Dorfkern – werden regelmässig im Kältesee entlang des Inns gemessen.

Wetter und aktuelle Temperaturen Samedan

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HYDRA-Publikationen in der PADELLA

Wassertage Samedan - HYDRA ist dabei