Gewässermonitoring

 

Gewässermonitoring

Aquatische Neozoen im Hochrhein und südlichen Oberrhein

Neozoen und gebietsfremde aquatische Arten, die mit Schiffen verschleppt oder auf dem Wasserweg ins Rheinsystem eingewandert sind, stießen bisher im Hochrhein auf Ausbreitungshindernisse. Gründe waren die obere Grenze der internationalen Rheinschifffahrt im Hafen Rheinfelden sowie die Stufen der Flusskraftwerke. Die Entwicklung an dieser Ausbreitungsfront wird von uns seit 1995 im Auftrag des Schweizer Bundesamtes für Umwelt (BAFU) verfolgt.

Aktionsprogramm Rhein – Monitoring 2006/2007

Die im 5-7-jährigen Turnus angesetzten koordinierten biologischen Untersuchungen im Hochrhein (BAFU Schweiz und LUBW Karlsruhe) wurden im Oktober 2006 und im April 2007 erneut durchgeführt. Ein Schwerpunkt der Untersuchungen war erneut die Neozoen-Invasion zwischen Bodensee und Basel.

Hartschalige Invasion im Hochrhein

Die grobgerippte Körbchenmuschel (Corbicula fluminea) hat im Verlauf der letzten drei Jahre weitere vier Kraftwerkstufen im Hochrhein „überwunden“. Die ersten kleinen Exemplare wurden jetzt bereits unterhalb von Waldshut gefunden. Vor ca. 2 Jahren wurden die Neozoen wahrscheinlich mit Booten in den Hochrhein-Abschnitt oberhalb von Bad Säckingen verschleppt. In der Zwischenzeit haben sich hier (Probequerschnitt Sisseln) die Unterwasserwelt und ihre Biozönosen völlig verändert. Bis zu 28 000 Muscheln pro Quadratmeter bedecken stellenweise den Flussgrund flächendeckend. Bei geschätzten 3,5g bis 5 g Lebengewicht pro Tier wurde hier eine Biomasse von rund 100 kg/m2 biologisch gebunden.

links: Aufnahme der Hochrheinsohle vor dem Schweizer Ort Sisseln (AG). Die auf dem Bild zu erkennenden Körbchenmuscheln (Corbicula fluminea) siedeln in bis zu drei übereinander liegenden Schichten. Foto: HYDRA_Unger

 Foto: © HYDRA

 


Dikerogammarus villosus nimmt den Hochrhein in die Zange

Dikerogammarus villosus, der bis 2004 flussauf nur bis zur internationalen Schifffahrtsgrenze bei Rheinfelden vorkam, besiedelt den Hochrhein jetzt – wahrscheinlich von der Aare kommend - bis Waldshut. Direkt unterhalb des Bodensees konnte sich die Art seit 2006 auch bei Hemishofen festsetzen, nachdem sie zuvor den Bodensee-Untersee besiedelt hatte. Der Hochrhein ist vom Höckerflohkrebs nun „in die Zange genommen“. Mit großem Interesse wird nun verfolgt, ob sich die Art auch innerhalb der naturnahen, frei fließenden und damit selektierenden Rheinstrecken zwischen Rheinfall und Waldshut durchsetzen kann.
 
Ausbreitung des großen Höckerflohkrebses Dikerogammarus villosus im Hochrhein und im westlichen Bodensee 1995 bis 2007. Grafik: HYDRA

 

 

 

Grafik: © Rey, HYDRA



Zebramuschel Dreissena – ein Opfer der Konkurrenz unter Neozoen?

Der Bestand der Dreikantmuschel Dreissena polymorpha geht im Hochrhein weiter zurück. Während sie im Bodensee-Abfluss noch dichte Bestände zeigt, ist der Fund einer lebenden Dreissena im Raum Basel inzwischen eine Seltenheit. Vermutet wird, dass der hier ebenfalls eingeschleppte pontokaspische Schlickkrebs Chelicorophium curvispinum mit Dreissena um den Siedlungsraum konkurriert. Dreissena-Larven können sich demnach nicht mehr auf Hartsubstratflächen festsetzen, die bereits von den Schlammköchern der Schlickkrebse überzogen sind.

Ist der Schlickkrebs Chelicorophium curvispinum für den Rückgang der Zebramuscheln verantwortlich? Foto HYDRA_Werner

 
Foto: © Werner, HYDRA

 


Die Neuen und die Heimlichen

Der vieläugige, weiße Strudelwurm Dendrocoelum romanodanubiale aus dem Donaugebiet hat den Rhein bei Basel erreicht und bereits die erste Kraftwerkstufe bei Birsfelden überwunden.
Der Kamberkrebs Orconectes limosus wurde im gesamten Hochrhein gefunden, stellenweise in hoher Dichte.
Ein möglicherweise noch isoliertes Vorkommen der Süsswassergarnele Atyaephyra desmaresti wurde im Bereich des Solbads Schweizerhalle entdeckt.
Der Keulenpolyp Cordylophora caspia, ebenfalls ein Zuwanderer aus dem pontokaspischen Raum, konnte im Herbst 2006 im unteren Hochrhein nachgewiesen werden.

 

 

 

 

 

 

 Fotos: © HYDRA


Stachelflohkrebs vs Höckerflohkrebs?

Der Flohkrebs Echinogammarus ischnus ist mittlerweile im Rhein bei Basel häufiger als der bisher dominante Dikerogammarus villosus. Er wurde, wie auch eine zweite, bisher noch viel seltenere Art, Echinogammarus trichiatus, rheinaufwärts bis Schweizerhalle nachgewiesen.

Foto: © Werner, HYDRA

 

 

 

 

 


Neozoen mit nahezu 100 % der Biomasse

An den unteren drei untersuchten Flussquerschnitten im Hochrhein - Sisseln, Schweizerhalle und Basel - haben die Neozoen im Frühjahr 2007 mehr als 98 % der Biomasse (Trockengewicht) aller benthischen Wirbellosen erreicht. Auch bei den Individuenzahlen repräsentieren Neozoen an allen Stellen mehr als 80 % der Benthosbesiedlung.

 

 

 

 

Grafik: © Rey, HYDRA

 

 

 


Neozoen im Hochrhein – Risiken und Nebenwirkungen ?

Die Ankunft und Ausbreitung von Neozoen im Hochrhein bleibt nicht ohne Folgen für die Lebensgemeinschaft der Benthosorganismen. Vergleicht man die Ergebnisse der verschiedenen Probenkampagnen seit 1990, lassen sich zum Teil auffällige Veränderungen in der Besiedlung einzelner typischer Hochrheintaxa erkennen. Diese betreffen vor allem den unteren Hochrhein bei Schweizerhalle und Basel – den Abschnitt mit dem höchsten Anteil an Neozoen sowohl bezüglich Artenzahl als auch Individuendichte und Biomasse. Hier zeichnet sich ein Rückgang oder gar Verschwinden verschiedener angestammter oder seit langem etablierter Arten ab: z.B. Dreissena polymorpha, die Schnecke Bithynia tentaculata, verschiedene Eintagsfliegenarten (Baetis spp.), die Köcherfliegenlarve Cheumatopsyche lepida oder die Kriebelmücke Simulium sp.. Die Untersuchungsergebnisse der letzten Jahre legen den Schluss nahe, dass hier eine Verdrängung durch Neozoen stattfindet.


ANEBO - Aquatische Neozoen im Bodensee

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AKAN - Arbeitskreis aquatische Neozoen (demnächst)

Steckbriefe: Neozoen in Bodensee und Rhein

Aquatische Neozoen in anderen Schweizer Gewässern

Positionspapier gebietsfremde aqatische Arten (demnächst)