Gewässermonitoring

 

Gewässermonitoring

Aktionsprogramm Rhein

Programm Rhein 2020 - Koordinierte biologische Untersuchungen am Hochrhein  

Im Jahr 2000 wurden zum dritten Mal die „Koordinierten biologischen Untersuchungen am Hochrhein“ durchgeführt. Als Langzeitmonitoring konzipiert, erfasst das Programm den aktuellen Stand und allfällige Veränderungen in der Besiedlung der Flusssohle durch wirbellose Kleinlebewesen (benthische Makroinvertebraten). Die Untersuchungen fanden auch im Jahr 2000 an denselben neun Flussquerschnitten wie 1990 und 1995 statt. Beim aktuellen Programm wurden die Querschnitte aber nur noch im Frühjahr und Herbst mit dem Taucher beprobt. Anstelle der Taucher-Probenahme im Sommer wurde eine umfangreiche Kampagne entlang des gesamten Ufers am Hochrhein durchgeführt. Dabei sind rund 450 zusätzliche Lebensräume an 151 neuen Probestellen untersucht worden. Auf diese Weise konnten detaillierte faunistische und zoogeografische Informationen hinzu gewonnen werden.Koordinierte biologische Untersuchungen am Hochrhein

Bestätigt wurde die deutliche Zonierung der Besiedlung der Flusssohle durch Makroinvertebraten im Längsverlauf des Hochrheins. Die grösste Vielfalt typischer Hochrheinarten bei stabil hohen Besiedlungsdichten fanden sich wiederum innerhalb freifliessender, wenig beeinflusster Hochrheinstrecken. Innerhalb regulierter Strecken und in Staubereichen dominierten Ubiquisten (ökologisch anspruchslose, weitverbreitete Organismen). Die Liste der nachgewiesenen Makroinvertebraten im Hochrhein wurde auf 232 Taxa erweitert. Ausbreitungsgrenzen, relative Häufigkeiten sowie die Regelmässigkeit des Vorkommens der verschiedenen Arten wurden genauer als bisher erfasst.

Die in den letzten fünf Jahren im Raum Basel zu beobachtenden Besiedlungsprozesse machten eine neue Einteilung des Hochrheins in verschiedene Abschnitte nötig. So wurde z.B. der von der Grossschifffahrt genutzte Rhein ab Rheinfelden flussabwärts als neuer Abschnitt definiert. Während sich alle anderen Abschnitte faunistisch über lange Zeiträume als stabil erwiesen, kam es im schiffbaren Teil des Hochrheins zu einer Invasion durch neu einwandernde Organismen (Neozoen). Die Neozoen repräsentierten im Herbst 2000 stellenweise mehr als 97 % der Benthos-Biomasse auf der Flusssohle. Während die zum Teil immens hohen Besiedlungsdichten dieser Arten im Ober-, Mittel- und Niederrhein wieder leicht rückläufig sind, nehmen die Individuenzahlen im Hochrhein weiter zu. Neben dem bereits in der Kampagne 1995 nachgewiesenen Schlickkrebs Corophium curvispinum und der Körbchenmuschel Corbicula fluminea/fluminalis kamen als weitere Vertreter der Krebstiere die grossen Flohkrebsarten Dikerogammarus villosus, Dikerogammarus haemobaphes und die Donauassel Jaera istri hinzu. Als Vertreter der Polychäten (Borstenwürmer) tauchte Hypania invalida auf.

Freifliessende Hochrheinabschnitte erwiesen sich auch in den neuesten Untersuchungen als Lebensräume, deren Lebensgemeinschaft der benthischen Makroinvertebraten eine gute und dabei stabile ökologische Vielfalt und Produktivität zeigt. Ihr ökologischer Wert als Reproduktions- und Regenerationsraum für die standorttypische, angestammte Hochrheinfauna muss erneut hervorgehoben werden. Dagegen wird die Besiedlung von Abschnitten mit verbauten Ufern und Regelprofil von anspruchsloseren Flussarten geprägt. Die Massenvermehrung von Neozoen in schiffbaren Rheinabschnitten mag ein Hinweis dafür sein, dass die hier dominierenden Ubiquisten schnell und radikal durch Arten mit ähnlich geringen ökologischen Ansprüchen ersetzt werden können.