
Whale falls und neuerdings auch log oder wood falls wurden als wichtige punktuelle Lebensräume in den Tiefsee-Ebenen, die immerhin 50 % der Erdoberfläche ausmachen, erkannt. Aus den fettreichen Walknochen können Bakterien, freilebend und in Symbiose, viele Jahrzehnte organisches Material entziehen. Über die Entstehung von Sulfid werden chemoautotrophe Prozesse möglich, die symbiontischen Tieren die Existenz in diesen Habitaten ermöglichen. Für whale und wood falls wird die mögliche Rolle als „stepping stones“ für die Verbreitung von Organismen in andere Tiefseelebensräume diskuiert.
Ende Mai 2007 verendeten zwei Riesenhaie (Cetorhinus maximus) vor Elba in einem Fischernetz. Die Tiere sind wirtschaftlich wertlos und werden nicht gegessen, folglich kappten die Fischer das Netz und ließen die Kadaver in etwa 50 m Tiefe sinken.
Wir nutzen nun dieses unbeabsichtigte Experiment, um den Abbau und die eventuelle Besiedlung der toten Haie zu untersuchen. Eine erste Besichtigung zehn Tage nach dem Tod der Tiere zeigte schon einen dichten Bakterienrasen, jedoch nur moderate Spuren von Aasfressern. Nach weiteren 5 Wochen zeigt ein Kadaver schon deutliche Fraßspuren, die Bakterien bedecken beide Haie fast komplett.
Der spannendere Teil beginnt, wenn die größeren Skelettelemente freiliegen. Das Knorpelskelett der Haie enthält weit weniger Fett als etwa Walknochen. Vielleicht ist in wenigen Monaten nichts mehr übrig, vielleicht halten sich die etwa 10 cm durchmessenden Wirbel noch mehrere Jahre....
Stefanie Grünke, Prof. Dr. Antje Boetius (Habitat Group, Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie, Bremen): Morphologie und Phylogenie großer Schwefelbakterien