Geologie und Geomorphologie um Fetovaia

 

Geologie und Geomorphologie um Fetovaia

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Geologie und Geomorphologie um Fetovaia

 

von Wolf Wichmann

 



Die Insel Elba bietet dem geologisch-, geomorphologisch- und mineralogisch Interessierten eine Fülle von spektakulären Eindrücken auf engstem Raum. Die geologischen Einheiten der Insel präsentieren sich als anschauliche Lehrstücke, die einen umfassenden Einblick bieten in eine Vielfalt geowissenschenschaftlicher  Phänomene.
Anhand unzähliger, in der Regel leicht zugänglicher Aufschlüsse im Gelände können sowohl Einzelformen als auch komplexere Einheiten im Zusammenhang mit tektonischen Prozessen aus der erdgeschichtlichen Entwicklung bewundert und studiert werden. Zahlreiche Beispiele aus unterschiedlichen geologisch bedeutsamen Schlüsselformationen dokumentieren die die einzelnen Phasen der wechselvollen erdgeschichtlichen Entwicklung der Insel. So belegen beispielsweise die ophiolitische Abfolgen eines tektonischen Komplexes tiefmarine Phasen aktiver Plattenspreizungsprozesse, während die Faltentektonik innerhalb der Sedimentpakete der Flyschserien aus Oberkreide und Paläogen die Aufstiegsphase des Westelbaplutons kennzeichnen.

Anders als die übrigen Inseln des Toskanischen Archipels findet sich auf Elba eine breite Palette aus den unterschiedlicher Kapiteln geowissenschaftlicher Fachgebiete etwa zu Beschreibung, Aufbau und Entstehung, sowie Chemismus von Gesteinen (Petrologie, Petrografie, Mineralogie), ebenso wie zu den formenden Prozessen der Landschaftsbildung (Geomorphologie).

Lehrbuchmäßig präsentieren sich rezent ablaufende, aktuogeologische Vorgänge wie etwa dynamische Prozesse aktiver Küstenmorphogenese oder Verwitterungsvorgänge im anstehenden Fels. Felsenburgen, Blockströme, unterschiedlich ausgeprägte Formen von Loch- und Schalenverwitterung (Tafoni, Exfoliation, Desquamation etc.) verdeutlichen einzelne Phasen landschaftsbildender Vorgänge in anschaulicher Weise.

Als Einstimmung für eine umfassendere Sammlung von Einzelkapiteln zur Geologie und Geomorphologie Elbas, die zukünftig zu einem einheitlichen Kompendium für diese Internet-Plattform ergänzt werden soll, werden an dieser Stelle erste Eindrücke aus dem geologischen Formenschatz der direkten Umgebung Fetovaias, dem Standort des HYDRA-Institutes für Meereswissenschaften präsentiert. Dabei sollen demnächst auch geologisch interessante Formen aus der küstennahen Unterwasserwelt ihren Platz finden.
 

 

Klein- und Landschaftsformen


Mit einen Höhe von 1.019 Metern und einem Durchmesser von rund 10 Kilometern bildet das kreisförmige Gebirgsmassiv des Monte Capanne-Plutons morphologisch und petrologisch das beherrschende Element Westelbas. Die Verwitterungsprozesse des subtropisch-mediterranen Klimas haben aus dem anstehenden Granitfels neben einer Vielzahl kleiner Einzelelemente wie Tafoni, "Opferkessel" oder Lösungsrinnen entstehen lassen. Auf längeren Wanderungen entlang ausgewiesener Nationalparkrouten erschließen sich darüber hinaus die größeren landschaftsbildenden Formationen, wie etwa Felsburgen oder Glockenberge.

 

 Glockenberg San Bartolomeo oberhalb der Ortschaft Pomonte


 

 

 

 

 

 

 

 

  Felsenburg


 

 

 

 

 

 

 

 

  Opferkessel


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  Kluftgebundene Lösungsstruktur


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Tafoni


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Halbinsel von Fetovaia und angrenzende Flyschserie der Kontaktzone


Die Gesteine der Kontaktzone des Plutonkörpers im Anello termometamorfico, die an einigen Stellen entlang der Felsküste Westelbas anstehen, gewähren Einblicke in einzelne Entstehungsphasen des Westteils der Insel. Interessante Aufschlüsse kontaktmetamorph "gequälter" Einheiten der Oberkreide-Flyschserie (Marina-di-Campo-Formation) stehen im Küstenverlauf westlich der Peninsula di Fetovaia an.

 

  Aufschluss Flyscheinheit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unterschiedliche Kleinformen in den Sedimenteinheiten der Flyschserie belegen einzelne Vorgänge der tektonischen Durchbewegung wie etwa Schieferung, Kleinfältelung oder Boudinagen.

 

 Tektonische Melange mit boudinierter Kalklinse

Tektonische Melange mit boudinierter Kalklinse


 

 

 

 

 

 

 

 

 Boudinage im Kalkschiefer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Kleinfalte im Kalkschiefer


 

 

 

 

 

 

 

 

 Halbinsel von Fetovaia

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

Die spornförmige Halbinsel von Fetovaia ist Teil des ehemaligen ligurischen Ozeanbodens dessen Bildung  wohl an der Wende Unter-/Mitteljura einsetzte. Zusammen mit den Serpentiniten und Kieselschiefervorkommen der Insel zählt sie zum Ophiolithkomplex Elbas.

Die Peninsula selbst besteht vorwiegend aus aus grob- bis großkörnig entwickelten pegmatitischen Gabbros und Metagabbros, die vereinzelt von Gängen aus Dolerit durchschlagen werden. Die blaugrüne Färbung entstand durch die Chloritisierung der Pyroxene. Der Chloritisierungsprozess wandelt in basischen Magmatiten Pyroxen und Plagioklas unter dem Einfluss saurer Lösungen und relativ niedriger Temperaturen (300-400°C) hydrothermal zu Chlorit, Albit und Calcit um.

 Der Verwitterung ausgesetzte Gabbros an der Punta di Fetovaia

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 Lochverwitterung im Gabbro der Punta


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Serpentinitkörper im Kontakt zu Gabbro und Dolerit


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Faserserpentin Chrysotil in einer Kluft im Gabbro der Punta


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Flaschengrüner Serpentinit

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 Aufschluss im Kieselschiefer in der Ortschaft Fetovaia



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Formen im Granit an der Küste zwischen Fetovaia und Marina di Campo



Erste Eindrücke der Vielfalt petrologischer Erscheinungen im Monte-Capanne-Granit/Granodiorit bieten bereits kurze Ausflüge entlang der granitischen Felsküste Fetovaias.


 Felsplatte mit Peninsula im Hintergrund


 

 

 

 

 

 

 

 

 Turmalinnest in "Seepferdchen"-Form im Aplitgang


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Flyschxenolith


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 sigmoidal deformierter Xenolith

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 externer Xenolith


 

 

 

 

 

 

 

 

  

 freipräparierte Flanke eines Aplitganges im Granit



 

 

 

 

 

 

 

 

 

Deformationen im Flysch als Folge des Aufstiegs des Monte-Capanne-Plutons

 

 Flyschfalte


 

 

 

 

 

 

 

 

 Lakkolithstruktur in der Flyschformation


 

 

 

 

 

 

 

 

Im Gegensatz zu Mineralien sind Fossilienfunde von Elba nur aus dem Mikrobereich bekannt und finden zur Faziesanalyse und in der Stratigrafie fast ausschließlich in der geowissenschaftlichen Forschung Verwendung. Das Spurenfossil aus der Flyschformation der Oberkreide kann daher als eine besondere Entdeckung gelten.

 

 Spurenfossil Taphrhelminthopsis in Arkose aus dem Flysch der Oberkreide (Marina-di-Campo-Formation)


 

 

 

 

 

 

 

 

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Links:
Mehr Bilder zur Geologie Elbas:
http://www.geoberg.de/foto/geology/elba.php
http://databases.eucc-d.de/plugins/pictures/

Literatur:
Als grundlegende Literatur zur Geologie Elbas und benachbarter Gebiete bieten sich die relavanten Geologischen Führer mit regionalem Bezug aus dem Bornträger-Verlag an. Hier besonders zu empfehlen:

Frisch, Wolfgang; Meschede, Martin; Kuhlemann, Joachim:
Elba
Geologie, Struktur, Exkursionen und Natur
[Guide to the geology, structure, flora and fauna of Elba island, Italy.]
2008. VIII , 216 Seiten, 24 Abbildungen, 3 Tabellen, 104 Farbbilder, 20x14cm
(Sammlung geologischer Führer, Band 98)
ISBN 978-3-443-15082-2 broschiert

Im Februar 2008 erschienen brandaktuell und hervorrgend aufbereitet. Es werden vor allem eigene Feldarbeiten der Autoren, sowie die Erkenntnisse neuester Forschungen berücksichtigt. Steht auch in der Institutsbibliothek zur Verfügung.

Waldeck, Hans:
Die Insel Elba und die kleineren Inseln des Toskanischen Archipels
Mineralogie, Geologie, Geographie, Kulturgeschichte. 2., verb. u. erw. Aufl.
1986. VIII , 216 Seiten, 82 Abbildungen, 8 Tabellen, 19x13cm
(Sammlung geologischer Führer, Band 64)
ISBN 978-3-443-15046-4 broschiert

Als Vorgänger des neuen Elba-Führers der deutschsprachige Klassiker geologischer Führer zu Elba und den anderen Inseln des Toskanischen Archipels. Bis zu dessen Erscheinen grundlegendes, nicht in allen Bereichen leicht für den Laien verständliches Werk, trotzdem noch immer zu empfehlen. Steht auch in der Institutsbibliothek zur Verfügung.

Pichler, Hans:
Italienische Vulkan-Gebiete III
Lipari, Vulcano, Stromboli, Tyrrhenisches Meer
1990. XIX , 272 Seiten, 53 Abbildungen, 11 Tabellen, 4 Tafeln, 3 Faltbeilagen, 1 Karte, 19x13cm
(Sammlung geologischer Führer, Band 69)
ISBN 978-3-443-15052-5 broschiert