Das Hochwasserschutzprojekt Samedan

Schon lange war die Abflusskapazität des Inn nicht mehr ausreichend, um den Ort Samedan vor großen Hochwasserereignissen zu schützen. Ursprünglich sollte nun der Damm erhöht werden, dann aber entschied sich die Gemeinde für eine Variante, die der Natur und dem Landschafsbild in ungewöhnlichem Maße entgegenkommt. Der grösste Innzufluss der Region, der Flaz, wird nun nicht mehr oberhalb des Orts in den Innkanal, sondern auf die andere Talseite verlegt und 4,2 km weiter unten in einen revitalisierten Inn münden.

Ihre Akzeptanz und ihren Erfolg verdankt diese weit über 30 Mio. CHF teuere Maßnahme einer einmaligen Zusammenarbeit von Gemeinde, kantonalen Ämtern, Naturschutzverbänden und beratenden Ökologen. In einer Ökologischen Planungskommission wird seit 2001 über die Zukunft des gesamten Gewässersystems entschieden.

Ein Fluss wird eingeweiht

Am 5. Juni 2004 ist es soweit: der „Neue Flaz“ wird mit einem großen Volksfest eingeweiht. Noch prägen nackte Kies- und Steinufer das Bild, eine typische natürliche Vegetation wird sich, unterstützt durch Pflanzungen, erst in den nächsten Jahren entfalten. Über die Sohle jedoch ergießen sich die Wassermassen aus dem Berninatal schon jetzt mit wieder gewonnener Kraft und der Dynamik eines typischen Gebirgsflusses (akt. Abflusskurve des Flaz (Berninabachs)).
Der neue Fluss und alle anderen Verbesserungen im Gewässersystem werden der nächsten Generation, den Kindern von Samedan, zum Geschenk gemacht. Diese werden sich ihrerseits mit Geschenken an den Fluss bedanken.

Einmalige Chance für die angewandte Forschung

Das Hochwasserschutzprojekt Samedan ist im gesamten Alpenraum ein Pilotprojekt für die neuen Ansätze ökologisch orientierter Gewässerentwicklung. Die neu geschaffenen Strukturen und die aufzulockernden alten Kanalführungen sind auch als Objekt eines großräumigen Feldversuches zu sehen: Wie wird das neue Flussbett besiedelt? Wie verändern Hochwasser und Trockenperioden die Strukturen und die Lebensgemeinschaften im Wasser und an den Ufern? Wie vernetzen sich alte und neu geschaffene Lebensräume? Geht die Rechung eines ökologisch verträglichen Hochwasserschutzes auf?

An dem nun beginnenden Monitoringprogramm beteiligen sich daher auch die bedeutendsten nationalen Koordinationsstellen und Forschungseinrichtungen der Schweiz: das Bundesamt für Wasser und Geologie (BWG), das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL), die Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie (VAW), die Eidgenössische Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (EAWAG). HYDRA führt die ökologische Erfolgskontrolle durch und beobachtet die Wiedervernetzung und Neubesiedlung der Gewässer. Daneben wird die Entwicklung der „Äschenpopulation von nationaler Bedeutung“ verfolgt, der höchstgelegenen und zugleich eine der individuenstärksten Populationen dieser Fischart in Europa.

Weitere Maßnahmen

Der Bau der „Neuen Flaz“ ist nicht die einzige Veränderung des Gewässersystems in der Ebene von Samedan. Im Rahmen umfangreicher Wiederanbindungs-, Vernetzungs- und Umgestaltungsmaßnahmen wird das gesamte Gewässernetz revitalisiert. So wird sich der „Flaz Vegl“ als typischer Bergbach im alten Flazbett entfalten können und mit einem Auengebiet vernetzt werden. Der Inn vor Samedan wird restrukturiert und in ein natürliches Flussbett der Hochaue zurück verlegt. Ein grosser Teil der alten Schutzdämme kann dabei abgerissen und die Steinblöcke als Strukturelemente wiederverwertet werden.

Ökologische Gewässerentwicklung beim Hochwasserschutzprojekt Samedan. Beim Klicken auf die Bilder 1 bis 4 werden so genannte “Visualisierungen" vorgestellt. Es handelt sich dabei um diejenigen Gestaltungsvorschläge von HYDRA, die noch im Jahr 2004 umgesetzt werden

2002

2004

Mündungsbereich des neuen Flaz in den Inn: Baubeginn: 2002, Fertigstellung: Juni 2004

zur Karte...


2004

2006

Innausleitung Islas: Baubeginn: Juni 2004, Fertigstellung: ca. Juli 2005

zur Karte...


2003

2005

Mündungsbereich alter Flaz (Flaz vegl) bei Punt dals Bovs: Baubeginn: Mai 2004, Fertigstellung: ca. Oktober 2004

zur Karte...


2003

2005

Restrukturierung alter Flaz (Flaz vegl) auf gesamter Länge: Baubeginn: März 2004 Fertigstellung: ca. August 2004

zur Karte...

Die kälteste Gemeinde der Schweiz

Ihre exponierte Tallage auf rund 1700 m Meereshöhe und die Fallwinde aus den Gletschergebieten des über 4000 m hohen Berninamassivs machen Samedan und die Nachbargemeinde Bever im Winter zu den kältesten Ortschaften der gesamten Schweiz. Mit mittleren Temperaturen von minus 10,2 Grad im Januar und 11.4 Grad im Juli zeigt die Ebene von Samedan auch eine der grössten Winter-Sommer-Differenzen. Extrem tiefe Wintertemperaturen – bis zu 6 Grad tiefer als im Dorfkern – werden regelmässig im Kältesee entlang des Inns gemessen.


HYDRA's Homepage | Kontakt