Heiner kommt!

Projektstudie über Neozoen, eingewanderte und eingeschleppte Tierarten im Hochrhein läuft an

Zunächst war es nur eine große Überraschung, die weichen Wohnröhren des einzigen Süßwasserpolychaeten Deutschlands zum ersten Mal im Hochrhein zu finden. Zuhause im Labor wuchs sich der kleine Borstenwurm mit dem wissenschaftlichen Namen Hypania invalida dann auch sofort zum Maskottchen der gesamten Probenkampagne aus. Der Spitzname "Heiner" wurde eher beiläufig vergeben.

Hypania invalida GRUBE (Annelida, Polychaeta)

Außer seinem drolligen Aussehen hat der bis zu drei Zentimeter lange Wurm noch weitere Besonderheiten. Vielborstige Würmer sind im Gegensatz zu den Wenigborstern, zu denen auch der Regenwurm gehört, an Land und im Süßwasser nur mit wenigen Arten vertreten. Hypania invalida wird als Relikt einer tertiären Meeresfauna gesehen, welches im pontikaspischen Raum sein Rückzugsgebiet hatte. Bislang war der Wurm aus den Gewässern der Balkanhalbinsel und aus Süß- und Brackwassergebieten der Donau bekannt. Seit 1993 ist auch im Rhein eine Ausbreitung flußaufwärts festzustellen. 1998 konnten die Forscher des HYDRA-Institutes für angewandte Hydrobiologe Hypania invalida zum ersten Mal im Hochrhein beobachten.

Diese Beobachtungen und die Erforschung der Ausbreitung etwa 30 weiterer Tierarten in Ober- und Hochrhein werden nun in einer Monitoringstudie unter dem Titel "Ausbreitungsgrenzen und Ausbreitungsmechanismen aspektbildender Neozoen im Hochrhein" im Auftrag des schweizerischen Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) bis ins Jahr 2002 intensiviert.

Folgende Fragestellungen stehen beim Neozoen-Monitoring im Vordergrund:

  • Wo liegen die genauen Ausbreitungsgrenzen invasorischer Neozoenarten im Hochrhein und seinen Zuflüssen?
  • In welcher Richtung und wie schnell laufen Kolonisationsprozesse an den Ausbreitungsgrenzen ab?
  • Welche Faktoren begünstigen (Ausbreitungsmechanismen) bzw. bremsen (Ausbreitungsbarrieren) die Kolonisation?
  • Bedeutet die Ausbreitung invasorischer Neozoen eine Gefährdung der angestammten Benthosfauna?
  • Welche weiteren Neuankömmlinge sind in den nächsten Jahren im Hochrhein zu erwarten?
  • Welchen Stellenwert haben massenhaft vorkommende Neozoen als Fischnährtiere?

Weiterhin soll über die eigentlichen Projektinhalte hinaus eine Lokalisierung und Probensicherung der im Untersuchungsgebiet noch nachweisbaren Bestände von Theodoxus fluviatilis, einer immer seltener werdenden Schneckenart, durchgeführt werden.

Das Projekt wird als wichtiger Bestandteil benthosbiologischer Abklärungen im Rahmen von Programmen der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) angesehen, weil dadurch Besiedlungsmechanismen erklärt werden können, die auf andere Bereich des Rheins, einige seiner Zuflüsse und vergleichbare Flußsysteme übertragbar sind. Daher ist auch eine enge Zusammenarbeit mit anderen Arbeitsgruppen im Rahmen der IKSR angestrebt, vor allem solchen, die im Oberrhein und Hochrhein tätig sind. (v.a. Bundesanstalt für Gewässerkunde, Koblenz; Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg, Karlsruhe).

Mit ersten Zwischenergebnissen kann in etwa einem Jahr gerechnet werden. Nähere Informationen erhalten Sie bei Peter Rey, HYDRA-Institut für angewandte Hydrobiologie .

Literatur:

Rey, P., Küry, D., Weber, B., Ortlepp, J. (2000): "Neozoen im Hochrhein und im südlichen Oberrhein", Mitt. bad. Landesver. Naturkunde u. Naturschutz, N.F. 18, 1, S. 19-35, Freiburg i. Br. 5. März 2000

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Jaera istri
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Kein Neuankömmling, sondern gefährdet:
Die Gemeine Kahnschnecke
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