Der ADAC-Sommerservice wird seit 1990 alljährlich zwischen Mitte Mai und Mitte September durchgeführt. Während dieser Zeit werden die gesammelten Informationen über verschiedene Verteiler wie Pressemitteilungen, Telefonansagen, Telefonberatung sowie über interne und externe Online-Dienste den Medien und interessierten Bürgern zugänglich gemacht. Die Datengrundlage hierfür liefert das HYDRA-Institut in Konstanz. In dessen Händen liegt die wissenschaftliche Planung und Projektleitung des ADAC-Sommerservice. HYDRA sendet zur Informationsrecherche für drei Monate Fachleute aus dem Bereich Bio- und Geowissenschaften als Regionalbearbeiter in die jeweiligen Urlaubsgebiete.
Die wissenschaftliche Recherche für den ADAC-Sommerservice umfasst drei große Teilbereiche: Erstens die hygienische Qualität des Wassers; zweitens den Zustand der Strände und drittens die gesamtökologische Situation der jeweiligen Region. Zur Untersuchung dieser Bereiche werden von den Regionalbearbeitern alle verfügbaren aktuellen Informationen zusammengetragen, ausgewertet und auf elektronischem Weg zur HYDRA-Zentrale in Konstanz weitergeleitet. Am Jahresende werden die Messergebnisse der einzelnen Probestellen und Probetage an die EG in Brüssel weitergeleitet. Nach einem Bewertungsschlüssel, an den sich auch der Bewertungsmodus des ADAC im wesentlichen anschließt, werden dann alle Messstellen einer Gesamtbewertung unterzogen. Dem ADAC-Sommerservice werden von den teilnehmenden Regionen die gleichen Daten und darüber hinaus oftmals noch weitere Werte zur Verfügung gestellt. Die Ergebnisse der vergangenen Saison werden jährlich in den März- und Aprilausgaben der ADAC-motorwelt in Form von Übersichtskarten veröffentlicht. Zur Veröffentlichung der detaillierten Informationen über Strand- und Wasserqualität an den untersuchten Stränden wird auch alljährlich ein Faxabruf eingerichtet. Der interessierte Verbraucher hat somit die Möglichkeit, sich über die Wasser- und Strandqualität an einzelnen Stränden zu informieren.
Ende der 60er Jahre beriet die Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen über Richtlinien zum Schutz der Bevölkerung gegen Verschmutzungen in Freizeitgewässern. In Anlehnung an die damals von Medizinern empfohlenen Überwachungskriterien, Analysenmethoden und tolerierbaren Höchstwerte verabschiedete der Rat der Europäischen Gemeinschaft am 8. Dezember 1975 die Richtlinie über die Qualität der Badegewässer. Hierin wurden die zu untersuchenden Parameter, die Messhäufigkeit, die Analysemethoden und die Durchführung der Überwachung festgelegt. In den darauffolgenden Jahren wurde die Richtlinie in den jeweiligen nationalen Gesetzgebungen der Mitgliedsstaaten umgesetzt. Damit sollten sich also, zumindest von ihrer Grundlage her, die Richtlinien in allen EU-Ländern entsprechen. Dennoch gibt es weiterhin Unterschiede. So wurden beispielsweise in Frankreich die Analysemethoden modifiziert und in Italien gelten strengere zulässige Höchstwerte. In Spanien und Frankreich wird die Praxis, Badeverbote zu verhängen, teilweise sehr zurückhaltend gehandhabt. Andere europäische Staaten, die nicht Mitglieder der EU sind, aber deren Gewässer der ADAC-Sommerservice berücksichtigt, wie die Schweiz, Ungarn, Slowenien und Kroatien haben abweichende Bestimmungen.
Das wichtigste Ziel der Überwachung der Badegewässer ist es, möglichen gesundheitlichen Schaden von den Badenden fern zu halten. Das Risiko, sich mit Krankheiten anzustecken, besteht überall dort, wo möglicherweise krank machende Bakterien im Wasser sind und durch Körperöffnungen oder durch Wunden in den Körper eindringen können. Deshalb muss gewährleistet sein, dass der Gehalt an Krankheitserregern im Wasser so gering ist, dass das Risiko einer Ansteckung sehr klein oder im besten Fall überhaupt nicht vorhanden ist.
Aus Erfahrungswerten epidemiologischer Untersuchungen wurden in der EU-Richtlinie Grenzwerte festgelegt, die so niedrig gewählt wurden, dass bei ihrer Einhaltung keine Ansteckungsgefahr beim Baden in einem Gewässer zu befürchten ist. Da es bei der Analyse eines Gewässers mit unbekannter Bakterienzusammensetzung jedoch nicht klar ist, nach welchen speziellen Krankheitserregern gesucht werden muss, werden bestimmte Indikatororganismen gemessen. Diese Keime, die zur Gruppe der sogenannten koliformen Bakterien gezählt werden, gehören zu den normalen Besiedlern des menschlichen und tierischen Darmes und lassen sich im Gegensatz zu den meisten Krankheitserregern relativ einfach nachweisen. Die Untersuchung der Wasserproben nach Indikatororganismen hat sich bewährt. Sie ermöglicht es, rasche und kostengünstige Befunde zu erstellen. Im Verdachtsfall, wenn Grenzwerte überschritten wurden, werden die Proben in den meisten Regionen auf weitere speziellere Krankheitserreger wie Streptokokken, Salmonellen und Darmviren hin untersucht. Die Analysen für diese Gruppen von Krankheitserregern sind jedoch aufwendiger, langwieriger und kostspieliger.
Für alle zu messenden Parameter sieht die EG-Richtlinie einen zwingenden Wert als Obergrenze vor. Dieser Grenzwert muss nach der EG-Richtlinie eingehalten werden. Darüber hinaus wurden in der EG-Richtlinie sog. Richtwerte festgelegt, die deutlich unter den Grenzwerten liegen und die als Zielmarke für die Erreichung einer dauerhaft guten Badegewässerqualität dienen sollen. Maßnahmen zur Verringerung von Einleitungen und Verschmutzungen orientieren sich an diesen Werten. Die Richt- Und Grenzwerte der EU für die mikrobiologischen Parameter sind in der folgenden Tabelle aufgeführt:
| Parameter | Richtwert | Grenzwert |
| Gesamtkoliforme kbE/100ml | 500 | 10.000 |
| Fäkalkoliforme kbE/100 ml | 100 | 2.000 |
| Fäkalstreptokokken kbE /100 ml | 100 | - |
| Salmonellen kbE/ 1000 ml | 0 | 0 |
Vergleicht man die Anzahl der Badeverbote in den verschiedenen Ländern im Datenanhang dieses Berichtes, so fällt auf, dass in Italien deutlich öfter temporäre Badeverbote verhängt wurden als in den anderen am Service teilnehmenden Ländern. Grund hierfür ist, dass in Italien bereits bei vergleichsweise geringen hygienischen Belastungen vorsorgliche Badeverbote ausgesprochen werden. Die italienische Gesetzgebung sieht, wie die nachfolgende Tabelle zeigt, für die Hygieneparameter deutlich niedrigere Grenzwerte vor als dies in den anderen Ländern Europas der Fall ist:
| Parameter | italienischer Grenzwert |
| Gesamtkoliforme kbE/100ml | 2.000 |
| Fäkalkoliforme kbE/100 ml | 100 |
| Fäkalstreptokokken kbE /100 ml | 100 |
| Salmonellen kbE/ 1000 ml | 0 |
Neben den mikrobiologischen Untersuchungen werden an den Messstellen noch verschiedene physikalische und chemische Parameter bestimmt. So wird der Säuregrad (pH-Wert) gemessen, die Färbung bestimmt, es wird bei der Probennahme auf Ölgeruch, einen möglichen Ölfilm oder eine Schaumbildung geachtet. Weiter wird das Vorhandensein von treibenden Stoffen wie Teer, Holz, Kunststoff oder Flaschen notiert und es wird die Trübung des Wassers gemessen.
Andere Stoffe, die als Zeichen von Verschmutzung gelten, werden nicht routinemäßig getestet. Besteht der Verdacht, Pestizide, Schwermetalle, Blausäureverbindungen oder hohe Phosphat- und Nitratmengen könnten ins Wasser gelangt sein, werden entsprechende spezifische Analysen angesetzt
Die EG-Richtlinie sieht in der Regel die Probennahme im vierzehntägigen Rhythmus für jede Probennahmestelle vor. Die Stelle soll bei normalem Badebetrieb den Badebereich repräsentieren. Badebereiche sind laut Definition die Abschnitte eines Gewässers, welche die üblichen Einrichtungen einer Badestelle besitzen. Hierzu gehören u.a. Umkleiden, Duschen, Toilette, Strandliegen und Sonnenschirme. Daneben sollten aber auch alle anderen Bereiche, an denen sich häufig Badende aufhalten, als Badestellen ausgewiesen und regelmäßigen Kontrollen unterzogen werden. Stellen, die permanent Gesundheits- oder Sicherheitsrisiken aufweisen, müssen laut EG-Richtlinie durch entsprechende Beschilderung als zum Baden ungeeignet gekennzeichnet werden.
Der Messrhythmus kann nach EG-Richtlinie von zweimal auf einmal monatlich reduziert werden, wenn in den vorangegangenen Jahren die Analysen ständig Ergebnisse lieferten, die deutlich unter den Richtwerten lagen und im Untersuchungsbereich keine neue mögliche Verschmutzungsursache hinzugetreten ist.
Die Durchführung der Probennahmen obliegt meist den lokalen oder staatlichen Gesundheits- oder Umweltämtern. Die mikrobiologischen Untersuchungen werden meist in staatlichen Labors durchgeführt. In manchen Regionen werden darüber hinaus auch private Labors mit den Analysen beauftragt. Zu den nationalen und regionalen Verfahrensweisen im Einzelnen sei auf die nachstehenden Regionalberichte verwiesen.
Den Regionalbearbeitern des ADAC-Sommerservice werden von den jeweiligen Behörden und Labors die Originalmessdaten der aktuellen Untersuchungen nach Abschluss der Analysen zur Verfügung gestellt. Leider bestehen bezüglich der Weiterleitung der Daten große zeitliche Schwankungen, die vor allem an verschiedenen Verfahrenstechniken und am unterschiedlichen Personalstand der Labors und Behörden liegen. In den meisten Regionen werden die Daten jedoch innerhalb kürzester Zeit an den Regionalbearbeiter weitergeleitet. In vielen Regionen werden die Regionalbearbeiter auch telefonisch oder per Fax benachrichtigt, wenn unvorhergesehene Grenzwertüberschreitungen gemessen wurden oder sonstige besondere Vorkommnisse mit Auswirkung auf den Badebetrieb eingetreten sind.
Sobald die Messdaten den Regionalbearbeiter vorliegen, werden diese nach einem internen Bewertungsschema ausgewertet. Hierbei hat das aktuelle Messergebnis das stärkste Gewicht. Die zurückliegenden Messwerte gehen mit einer geringeren Gewichtung in die Bewertung ein. Hierdurch kann neben der Bewertung der aktuellen Situation auch eine Aussage über die langfristige Qualität einer Badestelle getroffen werden. Die Badegewässerqualität wird schließlich mit einer Note auf einer Skala von 1 bis 4 (1 = sehr gut; 2 = gut, 3 = belastet; 4 = stark belastet) angegeben. Diese Bewertung wird während der Zeit des Sommerservice wöchentlich für über 4000 Messpunkte in Europa aktualisiert und an den Verbraucher und die Medien weitergegeben.
Neben der aktuellen Bewertung der Badestellen wird alljährlich nach Ende der Badesaison eine Gesamtbewertung der Messstellen für die zurückliegende Saison vorgenommen. Diese Bewertung wird in Anlehnung an das Bewertungsschema der EG durchgeführt. Im Gegensatz zu der Bewertung durch die EU wird hierbei nicht nur zwischen konform und nicht konform unterschieden sondern es wird auch hier eine Bewertung von 1 bis 4 (1 = sehr gut; 2 = gut; 3 = zeitweilig belastet; 4 = häufiger belastet) vorgenommen, die für den interessierten Bürger eine Einschätzung der Gewässersituation vor Ort erleichtert.
Außer der Berichterstattung über die Wasserqualität an den Urlaubsorten nehmen die Regionalbearbeiter auch eine Erfassung und Begutachtung der örtlichen Strände vor. Hierzu werden in den kleineren Regionen alle Strände mindestens einmal pro Saison begangen. In größeren Regionen, die mitunter bis zu 800 offizielle Messpunkte haben können, werden die Strandinformationen entsprechend seltener erhoben. Bei der Strandbegutachtung werden die geographischen Gegebenheiten wie Länge, Breite, Untergrund, Steilheit und Material festgehalten. Ebenso werden touristische Einrichtungen wie Duschen, Toiletten, Liegestühle, Sonnenschirme und Spielplätze kontrolliert. Auch Sicherheitseinrichtungen wie Rettungswacht, Erste-Hilfe-Station, Rettungsboote und Warneinrichtungen werden erfasst. Abschließend werden die Strandsauberkeit, die Art der Müllentsorgung, die Häufigkeit der Reinigung und eventuelle Gefährdungen wie Bootsverkehr, Abwassereinleitungen oder unmittelbarer Straßenverkehr berücksichtigt, um dann zu einem Gesamturteil zu gelangen. Hier werden auf einem Kriterienkatalog mit Mindestanforderungen die Bewertungskategorien ermittelt.
Bei der Bewertung der Strände wird seit 1996 mit Naturstränden gesondert verfahren. Die Bezeichnung Naturstrand soll verdeutlichen, dass der Strand nicht bewirtschaftet wird und deshalb über viele Einrichtungen, wie zum Beispiel Rettungswachen und sanitäre Einrichtungen nicht verfügt. Hiermit wäre er im Vergleich zu anderen Stränden schlechter zu bewerten. Dennoch kann der Naturstrand ausgezeichnet sauber, landschaftlich schön und ursprünglich sein. Es kann aber auch zu Anschwemmungen von Müll kommen, der dann monatelang nicht geräumt wird. Um diesen Unwägbarkeiten im Positiven wie im Negativen gerecht zu werden, wurden diese Strände aus dem herkömmlichen Bewertungsschema genommen und mit dem Hinweis Naturstrand geführt. Besonderheiten zu den Strandbewertungen finden sich in den nachfolgenden Regionalberichten. Die Bewertungen der einzelnen Strände sind im Datenanhang aufgeführt.
Badeurlaub steht immer im Zusammenhang mit der Nutzung von Natur. Sei es beim Baden am Strand, beim Camping auf dem Zeltplatz hinter den Dünen, durch die Anlage von Hotels oder bei der Entsorgung von Müll und Abwasser. Vor diesem Hintergrund steht der dritte große Themenkomplex, der im Rahmen des ADAC-Sommerservice bearbeitet wird. Die Informationsbeschaffung schließt auch Recherchen und wissenschaftliche Erklärungen für Phänomene ein, die dem Touristen vor Ort oder noch vor der Reise zu Hause unangenehm sind, Angst einjagen oder zumindest verunsichern. Die Algenschleimkatastrophe an der Oberen Adria 1989 war z.B. ein solches Problem. Es veranlasste damals den ADAC zur Einrichtung eines Infotelefons mit wissenschaftlicher Beratung.
Noch immer und in immer stärkerem Maße sind solche Kapriolen der Natur oder Warnsignale, wie sie auch bisweilen bezeichnet werden, von größtem Interesse sowohl bei den Medien als auch beim Verbraucher. Mittlerweile können viele Erscheinungen, die alljährlich wieder auftreten, sehr detailliert und sachkundig erklärt werden. Die Regionalbearbeiter vor Ort sorgen für eine ständige Aktualisierung der Erkenntnisse und ihrer lokalen Spezifika. Die HYDRA-Zentrale in Konstanz, wo alle Informationen zusammenlaufen, dient seit einigen Jahren als Quelle wissenschaftlicher Hintergrundinformation für die Medien. Die über die Verteiler des ADAC veröffentlichten Sachinformationen werden in zahlreichen Interviews und Fernsehbeiträgen vertieft. Ganz spezielle Urlauberanfragen, die ein wissenschaftliches Thema zum Hintergrund haben, werden individuell telefonisch beantwortet. Da die häufigsten Themen inzwischen aber umfassend erarbeitet sind, stehen die Informationen hierzu auch über die Infodienste des ADAC zur Verfügung.
Tourismus ist einer der fundamentalen Aspekte der heutigen Wohlstandsgesellschaft und für viele Länder ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Die extrem negativen Folgen des Tourismusbooms der 60er-Jahre in Italien, der 70er-Jahre in Spanien und der 80er-Jahre in der Türkei sind vielen von uns hinlänglich bekannt: Hotelburgen, überfüllte Strände, Umweltverschmutzung, Umweltzerstörung.
Eine weitere Aufgabe des ADAC-Sommerservice ist es, zu untersuchen und zu beurteilen, inwieweit diese Attribute in den Urlaubsländern zutreffen und wie weit das Ausmaß in der jeweiligen Region wirklich ist. Die Erkenntnis, dass die ungehemmte Nutzung natürlicher Ressourcen nicht dauerhaft betrieben werden kann, sondern dass sich die Natur aufbraucht, folgte dem Boom in schnellen Schritten nach. Die Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse in Maßnahmen zur Sanierung und Wiederherstellung findet langsam, oft schleppend statt, obwohl sie dort, wo sie stattfindet, fast überall prompt Erfolge zeigt. In den fortschrittlichsten Zonen, manchmal einzelne Kommunen, manchmal ganze Regionen, gehen jetzt Konzepte zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung und zum Schutz der gerade auch ökonomisch so wichtigen Natur in die ersten Phasen. Es bleibt zu wünschen, dass dieser Trend anhält und auch in diesem Bereich die klassischen und auch neuen Ferienregionen miteinander in Wettstreit um die Gunst der Urlauber treten.
Der Bereich Abwasserentsorgung war der erste, in dem sich die Einsicht zur Notwendigkeit durchsetzte, zügig Maßnahmen ergreifen zu müssen. Hier waren die Folgen des Massentourismus deutlich zu spüren, da die in immer größerer Menge anfallenden Abwässer in direkter Nachbarschaft der Ferienorte ungeklärt ins Meer flossen. Der ökologische und hygienische Kollaps war unübersehbar, und die Gäste, die nicht mehr in ihren eigenen Fäkalien schwimmen mochten, zogen zum Urlaub in andere Gebiete ab. Somit folgte der ökologischen Katastrophe der ökonomische Kollaps der betroffenen Regionen.
Um die Situation in den Griff zu bekommen, wurden groß angelegte Image-Kampagnen ins Leben gerufen. Doch einzig die Tatsache, dass sich am Zustand der Badegewässer spürbar etwas verbesserte, brachte die Touristen zurück in die vorher verschmutzten Urlaubsländer. Inzwischen sind die meisten Touristenhochburgen mit ausreichenden Kläranlagen versorgt, so dass an offiziellen Stränden nur noch selten mit erheblichen Belastungen durch Abwasser gerechnet werden muss. Nach wie vor stellen aber sämtliche Einmündungen von Flüssen, Kanälen, Regenüberläufen und Häfen Verschmutzungsquellen dar, da diese die Hinterlassenschaften der oftmals mangelhaften Abwasserentsorgungen aus dem Hinterland an die Küsten verfrachten. Die direkt am Meer oder den großen Seen gelegenen Gemeinden verdienen am Tourismus und sind darauf angewiesen, ihre Abwasserentsorgung mitunter mit hohen finanziellen Aufwand zu bewältigen. Die im Hinterland gelegenen Gemeinden jedoch partizipieren nur in geringen Maße vom Tourismusgeschäft an der Küste und haben folglich ein geringeres Interesse und auch nicht Mittel, ihre Abwassereinleitungen in Bäche oder Flüsse zu reduzieren. Manche Küstenstädte entsorgen deshalb inzwischen das Hinterland mit, um einer Verschmutzung ihrer Strände zu entgegenzuwirken. Das gesteigerte Bewusstsein der Urlauber sowie Informationsprogramme wie der ADAC-Sommerservice, der immer wieder auf dauernde Verschmutzungen hinweist, tragen dazu bei, dass der notwendige politische Druck entsteht, dem Maßnahmen auf dem Entsorgungssektor auch im Hinterland der Urlaubsregionen folgen.
Im Gegensatz zu der Abwasserproblematik liegt in bezug auf die Müllentsorgung in den meisten Regionen noch vieles im Argen. So gehören von stinkenden Müllsäcken gesäumte Straßen, wochenlang nicht geleerte und übervolle Container und wilde Müllplätze in vielen Urlaubsgebieten zum gewohnten Erscheinungsbild.
Immer wieder berichten die Regionalbearbeiter des ADAC-Sommerservice von Müllanschwemmungen an den Badestränden. Dies hat in einigen Fällen zu regelrechten Revolten und Protestaktionen seitens der Touristen geführt, die den Regionen eine schlechte Presse und in der nachfolgenden Saison Einbußen in den Kassen brachten. Leider nehmen die eigentlichen Verursacher, nämlich die Touristen selbst, die Misere meist erst dann war, wenn sie unmittelbar davon betroffen sind. So wird konsequent umweltverantwortliches Verhalten oftmals belächelt und als Wollsockentourismus bezeichnet. Die Müllberge türmen sich aber nicht zuletzt auch deshalb alljährlich in den Urlaubsländern auf, weil die Gesetzgebungen der Länder umweltverträgliches Verhalten nicht honorieren und die Recyclingbemühungen der jährlich steigenden Müllproduktion hinterherhinken. Hier ist ein grundsätzliches Umdenken notwendig, das jedoch nur allmählich in den Köpfen der Verantwortlichen erwächst. Der ADAC-Sommerservice versucht zu einer Verbesserung der Situation beizutragen, indem die Touristen über Pressemitteilungen, Telefonansagen und über die Medien dazu aufgefordert werden, nur wenig potentiellen Müll in die Urlaubsländer zu tragen und bei Käufen am Urlaubsort möglichst auf Mehrwegverpackungen zu achten. Außerdem wird versucht, bei den verantwortlichen Stellen ein entsprechendes Bewusstsein zu erwirken und es werden Alternativen zu den herkömmlichen Konzepten vorgeschlagen. In der Strandbewertung des ADAC-Sommerservice wird die Mülltrennung vor Ort u.a. auch als Bewertungskriterium herangezogen. Hierdurch werden zukünftig Strandbetreiber dazu motiviert, die entsprechenden Einrichtungen zu schaffen.
Auch in diesem Jahr musste über die ADAC-Servicetelefone in einigen Regionen von dem Gebrauch des Leitungswassers abgeraten werden. In anderen Regionen, vor allem auf Inseln, musste das Trinkwasser rationiert werden, da die Versorgung durch Wasserschiffe in den heißen Sommermonaten nicht mehr gewährleistet war. Besonders in den Mittelmeerländern wird die Ressource Wasser immer mehr zur Mangelware. Dies mag einerseits klimatische und geographische Ursachen haben, andererseits entsteht der Mangel aber auch durch den enorm gestiegenen Verbrauch durch Industrie, Landwirtschaft und Tourismus.
Im folgenden werden einige ökologische Phänomene angesprochen, die alljährlich den Badebetrieb beeinflussen und über die im Rahmen des ADAC-Sommerservice berichtet wird. Den ADAC erreichen jedes Jahr viele Anfragen der Mitglieder und der Presse, die auf eine Verunsicherung seitens der Sensationspresse zurückzuführen sind. Oftmals werden normale oder harmlose Erscheinungen an den Küsten zu Horrormeldungen hochstilisiert. Wichtige Sachverhalte werden dagegen selten aufgegriffen, weil sie sich nicht als Schlagzeile eignen. Der ADAC-Sommerservice sieht es hier als seine Aufgabe an, die Touristen nicht nur mit verständlichen und dennoch wissenschaftlich einwandfreien Informationen zu versorgen, er liefert in den meisten Fällen auch umsetzbare Verhaltensempfehlungen, mit denen der Badegast nötigenfalls der Situation am Urlaubsort begegnen kann. Vielfach kann nach verunsichernden Veröffentlichungen der Boulevardpresse auch generell Entwarnung gegeben werden, da wissenschaftliche Sachverhalte von den Journalisten falsch verstanden oder falsch wiedergegeben wurden.
Als eutrophiert wird ein Gewässer bezeichnet, wenn ihm von außen mehr Nährstoffe zugeführt werden, als es im natürlichen Gleichgewicht braucht und verbrauchen kann. Eutroph könnte in diesem Zusammenhang mit (zu) gut genährt übersetzt werden. Unter Nährstoffen versteht man hier vornehmlich Stoffe, die von Pflanzen im Wasser, meist Algen, zum Aufbau und Betrieb ihrer Körpersubstanz verbraucht werden. Da Pflanzen ihren Brennstoff aus Kohlendioxid und Wasser mit Hilfe des Sonnenlichtes in der Photosynthese herstellen, sind es die pflanzenverfügbaren Nährstoffe, v.a. Phosphate und Nitrate, die zum Aufbau von Pflanzenmaterial dienen. Je mehr Nitrate und Phosphate im Wasser gelöst vorliegen, desto besser können die Pflanzen, meist mikroskopisch kleine, schwebende einzellige Algen, wachsen und sich vermehren, vorausgesetzt es steht genügend Sonnenlicht zur Verfügung. Die Problematik der Eutrophierung besteht darin, dass das massenhaft produzierte Pflanzenmaterial später abstirbt und bei der nachfolgenden bakteriellen Zersetzung der gesamte Sauerstoff am Gewässergrund verbraucht wird. Dies führt dann im Extremfall zu einem Absterben der gesamten Lebensgemeinschaft in dem betroffenen Gewässer.
Erste Anzeichen für eine Eutrophierung kann eine Massenentwicklung von Mikroalgen sein, eine sogenannte "Algenblüte. Algen enthalten Farbstoffe. Steigt der Gehalt von Algenzellen im Wasser stark an, sieht das Wasser bald gefärbt aus. Grüne, beige und braune Farbtöne herrschen vor, eine besondere Algengruppe "blüht" in roten Farbtönen und hat im Fachjargon den Begriff red tide (Rote Tide) geprägt. Algenblüten sind bis auf wenige Ausnahmen für den Badeurlauber ungefährlich. Manche Algenarten tragen jedoch Giftstoffe in sich, die Fische oder andere Meerestiere schädigen können. Auch dem Menschen können die sogenannten Algentoxine gefährlich werden, da z.B. Muscheln die Algen als Nahrung aus dem Wasser filtrieren und deren Gift, ohne selbst davon betroffen zu werden, in ihrem Körper einlagern. Essen wir nun nach dem ungefährlichen Bad in der Algenblüte abends unsere Meeresfrüchte-Paella oder unseren Muscheltopf, können sich ernste Gesundheitsprobleme einstellen. Von Durchfallerkrankungen bis hin zu Lähmungen und schwerem Kreislaufversagen reichen die Auswirkungen verschiedener Algengifte. Damit es nicht soweit kommt, werden die in den Verkauf gehenden Muscheln i.d.R. auf Algentoxine untersucht. Tritt in einem Meeresgebiet eine Algenblüte auf, wird die Muschelfischerei streng überwacht und gegebenenfalls, mit einem befristeten Fang- und Verkaufsverbot belegt.
Hierbei handelt es sich um ein Phänomen, das im Zusammenhang mit einer Massenvermehrung von bestimmten Algen zu einer Beeinträchtigung des Badebetriebes führen kann. Bestimmte Algenarten sondern schleimige Substanzen ab, die sich dann zu einer zähen Schleimschicht verbinden, in der neben den Algen und den Schleimabsonderungen auch andere organische Partikel gefangen sind. Der Schleim, den jede der vielen hunderttausend Algenzellen pro Liter Wasser bildet, verklumpt und formt zunächst kleine Flöckchen, die auch als "Meeresschnee bezeichnet werden. Diese Flöckchen können, wenn die Algenentwicklung anhält, zu Fäden oder kleinen netzartigen Gebilden von mehreren Zentimetern Länge zusammenkleben. Schließlich bilden sich meterlange watteartige Gebilde, die im Wasser schweben und in denen sich wie in einem Netz sehr viele andere Organismen verfangen. Nach einiger Zeit entstehen durch die Verwesung kleinster Tierchen und durch die Photosynthesetätigkeit der Algen Gasblasen in diesen Schleimwatten und führen dazu, dass das gesamte Material an die Meeresoberfläche treibt. Ähnliches kann man im Sommer in kleinen Tümpeln oder Pfützen im Süßwasser beobachten. An der Oberfläche zersetzten sich nun die Organismen und verbreiten einen unangenehmen Geruch. Ganze Buchten waren 1989 an der Oberen Adria mit diesen bräunlichen, gärenden Algenschleimmatten bedeckt. Wissenschaftler konnten damals bei Überwachungsflügen lange Bänder aus dem Material entlang der Küste erkennen. Diese weithin sichtbaren Verschmutzungen fügten dem Tourismus großen Schaden zu. Für den unter den Algenmatten befindlichen Lebensraum war die Situation jedoch noch verheerender: An manchen Stellen sank nach stärkerem Wellengang ein Großteil des Algenschleims ab und überdeckte den gesamten Meeresboden. Die Folge waren hier Sauerstoffmangelsituationen, die in Folge der bakteriellen Zersetzung des Materials auftraten. Trotz des anhaltend sehr warmen Sommers trat 1999 an der Adria kein Algenschleim auf. Dies mag ein Anzeichen dafür sein, dass für ein übermäßiges Algenwachstum an der Adria allein die Faktoren Wärme und Licht nicht ausreichen. Die Bedingungen, die hier zu einer Überproduktion von Biomasse führen, sind wesentlich komplizierterer Natur, so dass es bis heute keine eindeutigen Erklärungen für das Auftreten bzw. Ausbleiben des Algenschleimes gibt.
Den erwähnten Mikroalgen gegenübergestellt werden die hauptsächlich im Meer lebenden, festgewachsenen Großalgen, die Makroalgen. Die meisten dieser Pflanzen bestehen entweder aus einem verzweigten oder unverzweigten Zellfaden oder einem blattähnlichen Gebilde, das verzweigt oder unverzweigt sein kann. Merkmale wie bei uns von Land her bekannten Pflanzen wie Wurzel, Stängel, Blüten oder Früchte gibt es bei diesen sehr einfachen Pflanzen nicht. Wie die Mikroalgen sind auch sie zu ihrem Gedeihen auf Phosphate und Nitrate aus dem Wasser angewiesen. Ohne Wurzeln, nur mit einer plattenartigen Haftscheibe am Untergrund festgewachsen, können Algen aus dem Boden keine Nährstoffe beziehen. Deshalb reagieren auch die Makroalgen auf Eutrophierung mit verstärktem Wachstum. Da die meisten Makroalgen zudem nur auf festem Untergrund, wie Felsboden oder künstlichen Materialien wie Betonmauern, Stahlpfeilern oder Holzpfählen siedeln können, ist ihr Vorkommen eingeschränkt. In der westlichen Adria treten sie beispielsweise gehäuft an den Blockschüttungen und Steinmolen der Wellenbrecher auf. An Felsküsten bestimmen sie maßgeblich die Unterwasserlandschaft. In den flachen Sand- und Schlickbereichen des Nordseewatts treten ebenfalls Makroalgen auf. Wenige Arten verankern sich im lockeren Boden oder sind an Muschelschalen festgeheftet. "Die Algen" sind noch immer das Schreckgespenst vieler Badeurlauber, dabei geht gerade von den sichtbaren Makroalgen überhaupt keine Gefahr aus. Dies gilt auch für die weiter unten beschriebene "Killeralge Caulerpa taxifolia. Diese aus den Tropen stammende Grünalge wird nämlich nur deshalb Killeralge genannt, weil sie durch ihr extrem schnelles Wachstum den gesamten Meeresboden an einigen Stellen im Mittelmeer überwächst und so anderen Lebewesen ihre Siedlungsräume und somit die Existenzgrundlage entzieht. Für den Menschen ist sie, trotz immer wieder auftauchender gegenteiliger Presseberichte, absolut ungefährlich. Wegen ihrer hohen ökologischen Bedeutung ist Caulerpa taxifolia im folgenden noch ein eigenes Kapitel gewidmet.
Allenfalls ein ästhetisches Problem erwächst aus Anhäufungen von verschiedenen im Sturm abgerissenen Algenarten, die im Badebereich umhertreiben können. An den Strand geschwemmt kann dieses Algenmaterial nach einigen Tagen zu einer Geruchsbelästigung führen, an der überwiegenden Zahl der offiziellen Touristenstrände wird der Spülsaum aber meist täglich entfernt.
3.5 Seegras
Ebenfalls in großen Mengen im Spülsaum des Mittelmeeres zu finden sind die Blätter des Seegrases Posidonia oceanica. Die Seegräser, kleinere Vertreter kommen auch in der Ost- und Nordsee vor, gehören, anders als die Algen, zu den höheren Pflanzen. Sie haben Wurzeln, Stängel, Blätter, Blüten und Früchte. Das Mittelmeerseegras bildet dichte Bestände von der Wasseroberfläche bis in 40 m Tiefe, die an saftige Wiesen erinnern. Ihre Bedeutung für das gesamte Küstenökosystem ist immens. Seegras dient als Nahrung für viele Fischarten, als Kinderstube von Krebsen, Fischen und Weichtieren und die im Herbst abgeworfenen Blätter dienen dem gesamten System als Nachschub an Biomasse. Die Bestände sind durch menschlichen Einfluss dramatisch zurückgegangen. Früher war das Mittelmeer rundum von Seegraswiesen gesäumt. Um die Ballungsgebiete stehen nur noch Reste und auch an anderen Orten gehen die Bestände zurück. Höhere Wassertrübung durch Abspülungen vom Land, höheres Aufkommen von Mikroalgen als Lichtkonkurrenten im Zuge von Eutrophierungserscheinungen und die Belastung mit chemischen Substanzen, welche die Pflanze schädigen, führen zu einem schleichenden Rückgang. Ankernde Boote, Baumaßnahmen und Aufschüttungen zerstören die empfindlichen Strukturen akut. Eine Chance zur Regeneration besteht hier kaum. Eine weitere Bedrohung der Mittelmeer-Seegraswiese stellt seit einigen Jahren die zuvor angesprochene die Grünalge Caulerpa taxifolia dar.
Bis zum Jahre 1984 kannte kaum jemand die schmucke Alge mit den federartigen Blättern und der frischen grünen Farbe, um die sich in vielen Aquarien tropische Fische tummelten. Dann jedoch gelangte diese in den Tropen beheimatete Alge aus dem Abwasser der Aquarien des Ozeanographischen Institutes von Monaco ins Mittelmeer. Zunächst unbemerkt, dann gering beachtet, überlebte sie die für sie fremde Umgebung, tolerierte die hier vorherrschenden ganz und gar untropischen Temperaturen von unter 12°C im Winter und breitete sich langsam aus. Erste Alarmmeldungen einzelner Wissenschaftler, die vor dem Fremdling warnten, wurden belächelt und verhallten. Doch dann begann die rasante Ausbreitung. Caulerpa taxifolia, die "Eibenblättrige" kann sich aus kleinen abgerissenen Bruchstücken regenerieren und trat schon bald an verschiedenen Stellen vor der Côte d'Azur auf. Die Alge wuchs so gut, dass sie die einheimischen Pflanzen geradezu überrollte und sie somit verdrängte. Längst ist man sich einig, dass dies eine ökologische Gefahr für die küstennahen Lebensräume bedeutet, zumal bislang alle Versuche, sie zu bekämpfen, fehlgeschlagen sind. Lediglich kleine, neu entdeckte Flächen von wenigen Quadratmetern konnten durch Taucher ausgerissen und nachhaltig gesäubert werden. Da die Alge so widerstandsfähig ist, sogar tagelang im Dunkeln an feuchter Luft überleben kann, nimmt man als Verbreitungsmechanismus die Anker von Sportbooten und die Netze von Fischern an. Nur so ist es erklärlich, dass die Ausbreitung von Caulerpa taxifolia sprunghaft und über viele hundert Kilometer zu beobachten ist. Der letzte bekannte italienische Wuchsort lag bis zum Winter 94/95 bei der Straße von Messina und im Frühsommer 1995 wurden vor der kroatischen Küste zwei größere Bestände entdeckt. Ein Ende ist nicht abzusehen und bislang ist auch keine wirksame Maßnahme gefunden worden, die Alge in ihrer Ausbreitung zu stoppen. Die Folgen für die einheimische Tier- und Pflanzenwelt ist ebenfalls noch unklar. Ob sich das Gift der Alge in der Nahrungskette anreichert und damit potentiell dem Menschen gefährlich werden kann, ist ebenfalls noch nicht geklärt.
Filme wie "Der Weiße Hai" und zahlreiche Dokumentationen haben das Image dieser Meeresbewohner als blutrünstige Monster und menschenfressende Ungeheuer tief in unserer Psyche verankert. Ausgelöst durch Gerüchte oder Meldungen von Haisichtungen bricht die bei vielen Badegästen latent vorhandene Angst aus und steigert sich zu hysterischer Panik. Haie sind normale Bewohner aller Meere und im Mittelmeer gibt es über 20 verschiedene Arten. In der Oberen Adria werden von Hochseeanglern regelmäßig vor allem Fuchshaie (Alopias vulpes) gefangen. Fischern gehen ab und zu verschiedene andere Arten in die Netze. Seit einigen Jahren ist bekannt, dass Bereiche der Oberen Adria fernab der Küste als Kinderstube für den Blauhai (Prionace glaucus) dienen. Blauhaie sind, wie viele andere Haiarten auch, lebendgebärend, und die Muttertiere wählen für die Geburt ihrer Nachkommen günstige Meeresgebiete aus. Eine Gruppe italienischer Wissenschaftler beschäftigt sich intensiv mit der Erforschung dieser Raubfische. Durch Markierungsversuche fand man heraus, dass Haie weite Wanderungen unternehmen. Durch die Zerstörung ihrer Lebensräume, Umweltverschmutzung und manche Fischereimethoden sind einige Haiarten bereits in ihrem Bestand bedroht. Selbstverständlich handelt es sich bei den meisten Haiarten um Raubfische, die Fische und andere Meeresbewohner fressen. Auch dem Menschen können einige Haie aufgrund ihrer Größe gefährlich werden. Haiangriffe auf Menschen sind allerdings v.a. in europäischen Meeren sehr selten. Der letzte in Italien bekannt gewordene Fall fand vor über 10 Jahren statt.
Ein weiteres Thema, das Jahr für Jahr von großem Interesse für die Badeurlauber ist, ist das Auftreten von Quallen vor den Badestränden. Quallen oder Medusen gehören zur Gruppe der Nesseltiere. Ihr Körper ähnelt einem flachen oder glockenförmigen Schirmchen aus Gallerte. Sie sind sehr einfach aufgebaut, bestehen zum überwiegenden Teil aus Wasser, verfügen aber über effektive Mechanismen zur Verteidigung und zum Beutefang. In Zellen auf ihrer Körperoberfläche, v. a. auf ihren meist zahlreichen Tentakeln, tragen sie winzige Kapseln mit einem Auslösemechanismus. Berührt ein Feind oder ein Beutetier diese Kapseln, schießen explosionsartig winzige harpunenartige Fortsätze heraus, bohren sich in die Haut und entladen durch ihren hohlen Schaft ein Gift in den Körper des Eindringlings. So werden Feinde abgeschreckt und Beutetiere gelähmt. Die Beute wird dann mittels der Tentakel zur Mundöffnung geführt und verdaut. Quallen unterliegen einem eigentümlichen Lebenszyklus. Ihre Nachkommen setzen sich als Larve zunächst am Boden fest und wachsen zu kleinen, wenige Millimeter bis Zentimeter hohen Becherchen mit einem Tentakelkranz heran. Im frühen Sommer knospen von dem Becherchen, auch Polyp genannt, winzig kleine Quallen, die dann frei im Wasser umher schwimmen. Das Ablösen der jungen Quallen scheint bei manchen Arten synchron zu verlaufen, so dass eine große Anzahl junger Quallen in einem Schwarm von den Meeresströmungen weggetragen wird. Im Laufe des Sommers wachsen die Quallen heran. Manche Arten, wie die in Nord- und Ostsee häufige Ohrenqualle (Aurelia aurita), können beachtliche Ausmaße annehmen und erreichen einen Schirmdurchmesser von fast einem Meter. Ihre Nesselkapseln allerdings sind nicht stark genug, die menschliche Haut zu durchschlagen, so dass sie als "nicht nesselnd" gelten. Kleinere Arten, wie die Leuchtqualle Pelagia noctiluca oder die Würfelqualle Carybdea marsupialis können jedoch unangenehme Vernesselungen verursachen. Ihre Tentakel sind so fein und oftmals meterlang, so dass sie beim Baden schwer zu sehen sind.
Auch an Süßwasserbadestellen treten bisweilen biologische Erscheinungen auf, die für Badende unangenehme Folgen haben können. So lebt in vielen Seen nördlich und südlich der Alpen eine Gruppe parasitischer Würmer, deren Larven sich in die Haut der Badenden bohren, dort aber absterben und kleine lokale Entzündungen verursachen. Die sogenannten Entenzerkarien, Larven der Pärchenegel, entwickeln sich in Wasserschnecken und schlüpfen im Sommer, um sich zur weiteren Entwicklung einen Wasservogel als Wirt zu suchen. Sie schwimmen dabei auf Schatten an der Oberfläche des Gewässers zu. Normalerweise bohren sie sich in die Haut des gefiederten Wirts und reifen dann in seinem Körper weiter heran. Im menschlichen Körper werden sie jedoch abgestoßen, sterben ab und hinterlassen kleine, rote Pusteln, die sich unter starkem Juckreiz entzünden können. Die Gesundheitsgefahr ist meist gering, hängt jedoch von der befallenen Körperoberfläche ab. Bei großflächiger Papelbildung ist die Gefahr von Sekundärinfektionen an aufgekratzten Stellen besonders hoch. Interessanterweise gibt es aber auch offensichtlich Menschen, die völlig unempfindlich gegenüber dem Befall von Entenzerkarien sind.